Therapie

Lang haben wir nichts mehr geschrieben, das Passwort für den Blog verlegt. Jetzt ein Neues gesetzt um dem Drang nachzukommen, aufschreiben, es irgendwo lassen, wegsperren, Hauptsache, man bekommt es aus dem Kopf.

Für alle selbst Betroffenen eine Triggerwarnung, überlegt euch, ob ihr euch stabil genug fühlt.

Im Dezember müssen wir in die Nähe unserer alten Heimatstadt fahren, dorthin, wo die Erzeuger wohnen. Nicht direkt in die Stadt, sondern in ein kleines, direkt angrenzendes Dorfkaff. Es steht ein Gutachten an. Seit mittlerweile über drei Jahren klagen wir gegen unsere Erzeuger. Sie haben uns den Unterhalt gestrichen. Weil wir so böse, scheußliche Lügen verbreitet haben. Denn in unserer Familie lief immer alles gut und bestens und Missbrauch, KiPoProduktion oder andere Gräueltaten gab es gleich gar nicht. Man war schließlich wer. Und weil wir uns wagen die Wahrheit zu sagen streiten wir uns vor Gericht. Im Kern geht es darum, ob wir arbeitsfähig sind oder nicht. Unsere Erzeuger werfen uns vor, zu faul zum arbeiten zu sein. Als ob es uns so Spass machen würde finanziell von ihnen abhängig zu sein.

Dieses Gutachten stresst uns. Es reaktiviert viele alte Ängste, Übertragungen, Denk- und Verhaltensmuster. Am Mittwoch haben wir in der Therapie die Stunde genutzt um darüber zu sprechen. Und irgendwie sind wir beim Thema S*dom*e gelandet (Sternchen sind für die perversen Arschlöcher, die vielleicht solche Begriffe in Blogs suchen).

Ich komme mit vielem klar. Wenn ich Flashbacks habe von Vergewaltigungen, durch den Rrzeuger oder anderen Leuten, geht das. Und wenn ich in Flashbacks Bilder sehe, wie anderen Kindern etwas angetan wird, und sie weinen oder betteln, das kann ich auch irgendwie wieder wegschieben und damit leben und irgendwie noch verstehen. Aber das nicht. Das kann ich nicht. Da ist nur Ekel, Selbsthass, soviel Scham und Demütigung. Und wie soll man darüber reden, wenn man es sich nicht selbst eingestehen kann, aber es doch muss? Wie soll man sowas in Worte packen, wenn man schon fast kotzen muss, wenn man nur dran denkt?

Kinder werden missbraucht und dabei gefilmt, weil es Konsumenten gibt. Menschen, die sexuell falsch gepoolt sind und sich entschieden haben ihre eigene Befriedigung über den Schutz eines Kindes zu stellen. Nachvollziehbar. Nicht verständlich, aber irgendwie nachvollziehbar. Gibt es Konsumenten, gibt es Hersteller und zwangsläufig auch Darsteller. Auf Kinder zu stehen ist eine Perversion, mit der ich mittlerweile vertraut bin, mit der ich mich befasst habe. Das geht in mein Hirn rein, das es Menschen gibt, denen die Kinder egal sind und die nur ihre eigene Befriedigung im Sinn haben. Diese Perversion ist irgendwie verstehbar für mich. Was ich auch noch, irgendwie, verstehen kann, ist der Wunsch nach Sex mit T*eren. Ich bin mir sicher, es gibt ganz normale Menschen, die s*dom*stische Phantasien haben und sich dafür abgrundtief hassen, sich schämen und irgendwie versuchen damit zu leben, die sich gern Hilfe suchen würden, aber sich nicht trauen. Ich glaube, diesen Menschen ist klar, dass sie an einer sexuellen Perversion leiden, von der sie nicht genesen können, aber mit der sie leben und umgehen lernen können. Und dann gibt es die, die den Schritt weiter gehen und diese Phantasien und Gelüste akzeptieren, und sich im Internet ihren Kick suchen. In meinen Augen nicht mehr normal oder in Ordnung, aber auch irgendwie noch im Ansatz zu verstehen. Und wenn es Leute gibt, die von sowas erregt werden, werden sich auch freiwillige Darsteller finden lassen, die sowas mitmachen. Aber dann gibt es noch die nächste Stufe: die Kombination auf S*dom*e und P*dophil*e. Menschen, die beides ausleben, und sich s*dom*stische filme mit Kindern reinziehen, oder noch schlimmer, selbst an solchem Missbrauch beteiligt sind, für die hab ich nur noch Hass übrig. Sie sind Abschaum. Sie sind egoistische Drecksarschlöcher ohne Gewissen oder Seele.

Und wegen solchen Wichsern müssen Menschen wie wir mit solchen Bildern im Kopf leben. Da kannst du schreien, heulen und ausrasten wie du willst. Das ändert nichts. Es nimmt dir nicht die Vergangenheit, das wissen, dass dir sowas passiert ist. Es gibt dir nicht deine Würde zurück, und doch weißt du nicht wie du anders darauf reagieren sollst. Es ändert nichts. Schreien ändert nichts; oder dissoziieren. Du musst lernen damit zu leben. Und wenn du nicht weißt wie, ist das ja dein Problem, und nicht das Problem von diesen Wichsern.

wird die schwester die neue mutter?

es hat sich für uns völlig unerwartet ein treffen mit der schwester ergeben. am sonntag haben wir uns für 40 minuten am bahnhof getroffen. der anfang war etwas schwierig, aber ich denke, dass ist normal, wenn man sich über vier jahre nicht gesehen hat. aber dann lief es super. wir waren zusammen essen und konnten quatschen. nur smalltalk, nichts wirklich wichtiges. wie es dem erzeuger geht, wie es ihr und den kindern geht, ein wenig wie es uns geht.
es war schön. aber es hat uns auch gezeigt, dass wir immer noch etwas haben wollen, was wir nicht haben können.
jahrelang hingen wir dem traum nach einer heilen, glücklichen herkunftsfamilie nach. und jahrelang war die hoffnung da, die mutter würde irgendwann eine richtige mutter sein. das sie uns glauben würde und sich auf unsere seite stellt. das sie uns sagt, wie leid ihr alles tut. das sie uns sagt, sie hat einen fehler gemacht. das man miteinander ganz normal umgehen kann, sich regelmäßig sieht und man eine mutter hat, auf die man sich verlassen kann. dieser traum wurde von ihr endgültig zerstört, als sie sich weigerte im zuge der strafanzeige gegen den erzeuger auszusagen. in dem moment platze der traum einer mutter mit einem großen knall, wie ein luftballon in den man eine nadel sticht. wir haben geheult, wir haben geflucht, wieder geheult und wieder geflucht. aber irgendwann haben wir es akzeptiert.

aber es gibt noch die schwester. die beziehung zu ihr schwankte so oft zwischen liebe und hass. doch seit wir erwachsen sind, ist es meistens nur noch liebe. obwohl sie uns nicht glaubt und sich auf die seite der herkunftsfamilie stellt. aber sie ist die letzte person aus der herkunftsfamilie, die uns noch etwas bedeutet. wir wünschen uns den kontakt zu ihr. wir wünschen uns, dass sie uns glaubt. und eigentlich weiß ich genau wie damals bei der mutter, wie unwahrscheinlich das ist. sie steht unter seiner fuchtel. hat mitbekommen, wie er stundenlang die weiße wand anstarrt und murmelt, womit er so eine tochter verdient hat. oder wie er geweint hat wie ein kleines baby, angeblich weil ihm unsere vorwürfe so weh getan haben, wahrscheinlicher aus purer angst im knast zu landen oder von einigen leuten eins auf die fressen zu bekommen. sie sieht ihn und seine reaktion auf die anzeige. von uns sieht oder hört sie nie, wie wir unter dem angeblich nie passierten leiden. wie wir manchmal nachts schreiend aufwachen oder um uns schlagen. wie oft wir wie versteinert auf einen punkt starren und die zeit vorüber zieht. wie wir uns manchmal vor schmerzen krümmen, die nichts mit heute zu tun haben. oder wie wir weinend in einem flashback stecken und eine vergewaltigung erleben, als würde sie jetzt passieren. wenn sie das alles doch nur sehen könnte. vielleicht würde sie anfangen zu zweifeln, an seiner geschichte. vielleicht würde sie in erwägung ziehen, dass wir doch die wahrheit sagen. aber sie will nicht, es passt nicht in ihr leben. sicher ist es ein selbstschutz dem erzeuger zu glauben. wenn sie anfangen würde zu zweifeln, müsste sie sich mit so vielem auseinander setzen.

und ich merke, wie der wunsch nach kontakt zu ihr wächst. wie die sehnsucht nach ihr größer und größer wird. wie sehr wir sie haben wollen.
es ist genau wie bei der mutter: wir wollen etwas so unbedingt und haben immer wieder hoffnung, dass wir bekommen was wir wollen. und wir werden jedesmal wieder enttäuscht, wenn sie in irgend einer weise durchblicken lässt, dass sie uns nicht glaubt. das ist wie ein schlag in die magengrube. wir hoffen auf ein wunder, eine wendung um 180°. genau wie bei der mutter. und ich frage mich, wie dieser wunsch ist und wie das enden wird.

ein neuer Tag

Der Besuch ist gerade gegangen, jetzt sind wir allein. Alles ist noch weggeschlossen, Funktionsmodus 1A.
Ich habe Angst vor dem Moment, in dem das Fühlen wiederkommt und ich überrannt werde. Das wird passieren, früher oder später. Ich kenne es.

Ich habe versucht die Therapiestunde von heute auf zwei Stunden auszudehnen, leider funktioniert das nicht. Ich habe Angst vor der Stunde. Wenn dort die Welt untergeht und ich emotional überrannt werde – wie soll ich mich innerhalb von 50 Minuten wieder einkriegen und in der Lage sein, nach Hause zu gehen?

Denn wenn die Dämme brechen brausen die Emotionen mit unbändiger Kraft heran und reißen alle Mauern nieder und jeden mit, der zufällig ihren Weg kreuzt.
Dummerweise werde ich genau im Weg stehen.

Geht Morgen die Welt unter?

Die Vorzeichen dafür sind da. Selten war ein Wochenende so gespickt mit schlechten Nachrichten.

Aber eins nach dem Anderen:
Die Zusammenarbeit mit dem Tierschutzverein ist höchstwahrscheinlich beendet. Auch wenn es noch keine offizielle Nachricht von deren Seite gibt, inoffiziell hat mir ein mir wohlgesonnenes Vorstandmitglied bereits bestätigt, dass aus einer weiteren Zusammenarbeit nichts wird.. Außer es geschehen noch Wunder. @Wunder, sollte es dich tatsächlich geben: FUCK YOU! Du kommst zu spät.
Punkt 2:
Unser Erzeuger hatte einen Schlaganfall. Dieser war schon vor eineinhalb Wochen und wie wir heute erfahren haben, ist er zur Zeit in Reha. Er hatte Lähmungserscheinungen, die, soweit wir wissen, schon deutlich besser geworden sind. Er hat Sprachfindungsstörungen aber die Prognose ist gut.
Drittens:
Ich hasse Sommersonnenwenden!

Und zu guter letzt:
Leider ist niemand zu erreichen, der uns jetzt helfen könnte. Unser Freund bespaßt seinen Besuch. Die eine beste Freundin ist im Urlaub, die andere fällt durch Krankheit aus. Sicher sind Menschen zu erreichen, aber keinem wollen oder könnten wir erklären, wie es uns geht oder was die Nachrichten mit uns machen.

Gott sei Dank gibt es die Dissoziation. Kein Gefühlssturm, nur Leere und Nichts. Wenn Fühlen zu viel ist, kommt das Nicht-Fühlen. @Dissoziation: Danke, dass es dich gibt!

jetzt können wir nur noch warten

ab jetzt liegt es nicht mehr in unser hand. wir haben alles getan. jetzt also warten.
mindestens 10 tage
240 stunden
14.400 minuten
864.000 sekunden

warten, warten, warten. wir sind nicht gut darin.

wer braucht schon zeit? sie vergeht immer viel zu langsam oder viel zu schnell. je nachdem, was man gerade tut. und wir warten. das wird eine lange zeit. lange
10 tage
240 stunden
14.400 minuten
864.000 sekunden

entscheidungen

ich will mich nicht entscheiden, ich hasse entscheidungen, vor allem schwerwiegende. nur wir müssen uns entscheiden, entscheiden, was besser für uns ist. doch woher weiß man, welche entscheidung die richtige ist? vielleicht entscheidet man sich falsch und will es später wieder ändern? wir ringen oft um solche sachen, doch meistens halten wir daran fest, wenn wir uns entschieden haben.

es geht um den tierschutzverein, bei dem wir “ordentlich scheiße” gebaut haben. mitte juni wird darüber entschieden, ob wir wieder einsteigen können und ich weiß z.z. nicht ob wir das sollten oder uns besser eine alternative suchen.

Was wollen wir?

  • Geviech zum drum kümmern um uns im Alltag zu stabilisieren
  • das Gefühl gebraucht und gemocht zu werden
  • Fehler wieder gut machen, daraus lernen

Frage: Können wir verzeihen/vergessen, wie mit uns umgegangen wurde?

Pro KaBeRe:

  • von April bis Dezember fast durchgängig Katzenbabys
  • sich alten Verletzungen stellen und dadurch lernen damit umzugehen
  • nicht in neuen Verein flüchten
  • durch Stammtisch lernen in großen Gruppen zu kommunizieren
  • seit fast drei Jahren dabei gewesen

Kontra KaBeRe:

  • regelmäßig zum Stammtisch obwohl man nicht will
  • jmd. finden, der einen hinfährt und wieder abholt
  • Angst, beim nächsten Fehler sofort wieder gekickt zu werden
  • im neuen Verein nicht auf Katzenbabys beschränkt, sondern auch Waschbären, etc.
  • Vertrauen zu C. ist sehr eingeschränkt
  • Kontakt hauptsächlich mit M.
  • im neuen Verein könnten wir mit weißer Weste starten

Umgang mit Begebenheiten, die man nicht ändern kann oder Radikale Akzeptanz – wie geht das?

Die meisten Menschen kennen es: Früher oder später gerät man in eine Situation, die einen aus welchen Gründen auch immer emotional stresst, die man jedoch (auf die Schnelle) nicht ändern kann. Das kann der nervige Chef sein, den man gern verändern würde, oder das Wissen wie nächstes Weihnachten in der Familie läuft. Oder, wie in meinem Fall, forschreitende körperliche Erkrankungen.

Wie geht man mit Situationen um, in denen man sich hilftlos fühlt (weil man es tatsächlich ist oder vergangene Gefühle angetickt werden)? Wenn man etwas nicht verändern kann?

Ein ehemaliger Therapeut hat zu mir gesagt, radikale Akzeptanz wäre der erste Schritt zur Verbesserung. Nur was genau heißt das? Ich akzeptiere mein “Schicksal” (mir fällt kein besseres Wort ein) und arangiere mich damit, versuche mir den Alltag so leicht wie möglich zu gestalten und weiß meistens wie ich mir helfen kann. Aber unabhängig ob es um Schmerzen geht oder nicht komme ich irgendwann an einen Punkt, an dem ich mich gelähmt fühle. An dem mein Denken wie aussetzt und ich auf einfachste Lösungen nicht mehr komme. Dann sieht es so aus als wäre die Situation festgefahren.
Viele Überlebende kennen das, wenn irgendwas angetickt wird. Nur zum Glück sind das meistens akute Situationen.
Doch das ist nicht der springende Punkt (ist er das nicht?).
Das ist die Frage. Ist er das? Ich weiß es nicht. Sicherlich ticken gerade Situationen wie jetzt, in denen ich mich vor Schmerzen kaum bewegen kann, eine Menge alter Emotionen und Erinnerungen an. Und ich kann nicht unterscheiden was in die Gegenwart gehört, und was in die Vergangenheit. Welche Reaktion auf solche Schmerzen ist “normal”? Gibt es diese überhaupt? Jeder Mensch geht mit Schmerzen anders um und laut Freunden haben wir mittlerweile zwangsläufig eine hohe Schmerztoleranz. Nur merke ich zur Zeit davon nicht sehr viel.
Ich kann nicht einmal genau sagen, was die Schmerzen mit mir machen, aber sie zehren und fordern Kraft. Es fühlt sich an als will man die Schatten loswerden indem man mal hier und mal dort Licht anmacht. Aber der Schatten springt nur von einem Ort zum nächsten, los wird man ihn nicht. Also bleibt einem nichts anderes übrig als die Schatten zu akzeptieren, das beste aus ihrer Anwesenheit zu machen und, das Wichtigste, die Angst vor ihnen verlieren.

Nur wie mach ich das?